Learning Community der TUHH

5. Thema: Zukunft des künstlichen Lebens


#1

Begriffe und Definitionen

Der Begriff „Roboter“ geht auf das Theaterstück „R.U.R.“ (Rossum’s Universal Robots) des tschechischen Schriftstellers Karel Čapek zurück, entstammt also ursprünglich der Science Fiction und bezieht sich in seinem Wortstamm auf Fronarbeit/Zwangsarbeit oder Knechtschaft. Čapek beschreibt im Stück künstlich (allerdings biologisch) geschaffene Wesen, die als Besitz gelten und einzig zur Arbeit in der Fabrik erschaffen sind. Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben sich noch weitere Begriffe entwickelt, die unterschiedliche Aspekte des Phänomens beschreiben.

Roboter – damit werden heutzutage alle technischen Geräte bezeichnet, die automatisiert (selbsttätig) Handlungen/Aktivitäten übernehmen können, vor allem in der produzierenden Industrie kommen Roboter etwa zur Montage oder zum Transport zum Einsatz. Die Form und das Material von Robotern sind dabei im definitorischen Sinne nicht relevant, Roboter können humanoid sein, müssen es aber nicht. Aktuell sind bekannte (nicht-industrielle) Roboter etwa der Staubsaugeroboter Roomba, der von Sony entwickelte Roboterhund Aibo, der humanoide Forschungsroboter Atlas von Boston Dynamics oder der humanoide Assistenzroboter Asimo.

Androide – als Androiden bezeichnet man menschliche oder menschenähnliche Roboter, also Roboter, die eine humanoide Form haben und auf die wir wie auf Menschen reagieren sollen. Je größer die Annäherung an menschliches Aussehen und Verhalten, desto deutlicher gilt ein Roboter als Androide. In der Science Fiction ist Lt. Commander Data vom Raumschiff Enterprise (aus Star Trek: The Next Generation ) ein berühmtes Beispiel. In der Wissenschaft werden Androiden entwickelt, um Human-Machine-Interfaces zu erforschen, so wie etwa Repliee Q1 an der Universität Osaka.


Bildquelle: Repliee Q1 auf der Expo 2005 (http://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/1175148)

Cyborg – ein Cyborg ist ein hybrides Wesen, dass organische und maschinelle Bestandteile miteinander verbindet. Der Begriff ist stark von der SF beeinflusst, wird aber auch etwa von den Posthuman Studies genutzt. Das Spektrum reicht hier von Menschen mit Implantaten oder Prothesen bis hin zu Androiden mit biologischen Komponenten. Die Wissenschaftshistorikerin Donna J. Haraway etwa nutzt den Begriff, um auf die Verwobenheit des Menschen mit anderen Lebewesen und technologischen Entwicklungen zu verweisen und verweist besonders plakativ etwa auf Herzschrittmacher oder die Nutzung mobiler Elektronik (wie Smartphones) als Beispiele für unsere Cyborg-Existenz. Ein bekanntes Beispiel in der Science Fiction wäre etwa RoboCop.

Artificial Intelligence (AI) – auf deutsch auch Künstliche Intelligenz genannt, ist eine AI schwer zu definieren, da nicht klar ist, ab wann von „Intelligenz“ zu sprechen ist. Generell meint es in der Forschung den Bereich, in dem sich mit Maschinenlernen und „intelligentem Verhalten“ von Maschinen zu tun hat. Aktuelle Forschung ist noch nicht in der Lage, eine echte AI zu produzieren. In der SF sind AI oftmals Netzwerke und Computersysteme, die über menschenähnliche (oder bessere) kognitive Fähigkeiten verfügen, rationale Entscheidungen treffen und eigenständige Gedanken formulieren können. Ein Beispiel dafür wäre HAL 9000 aus Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum. Die Frage nach der Entstehung von Bewusstsein und/oder Emotionen in einer AI sind also zentral bei der Zuordnung als „künstliches Leben“.

Wie hier erkennbar ist, sind verschiedene Faktoren in der Entwicklung und Beschreibung von künstlichem Leben relevant. Vor allem in Hinsicht auf die Frage nach Eigenständigkeit, Bewusstsein, Intelligenz und Emotionen ist die Forschung noch nicht so weit, wie es die SF in ihren Ausführungen suggeriert. Wenn wir von Robotern sprechen, meinen wir zumeist Androide mit hoch ausgeprägter künstlicher Intelligenz, obwohl die allermeisten realen Roboter automatisierte Systeme sind, die einzig programmierte Handlungen automatisieren und keiner Entscheidungsfähigkeit besitzen.

Eine gute und interessante Zusammenfassung der Entwicklung von KI findet sich auf Youtube im Kanal des World Science Festivals.


LINK zum Film: https://www.youtube.com/embed/nDQztSTMnd8


Warum haben wir eigentlich Angst vor KI?

Der Science Fiction Autor Ted Chiang beschreibt in einer Kolumne für Buzzfeed die aktuelle dystopische Vorstellung, dass eine KI – wie etwa Skynet im Szenario der Terminator -Filme – zu der Entscheidung kommen könnte, der Menschen stelle eine Gefahr dar und müsse ausgelöscht werden. Chiang argumentiert, dass diese Vorstellungen eines Konfliktes mit der KI allerdings auf unseren eigenen Verhaltensweisen und Ideologien basieren, dass vor allem unser Hang zur Technokratie und zu einem aggressiv-dominanten Kapitalismus, wie ihn etwa Amazon, Facebook und Co. leben genau diesem projizierten AI-Verhalten entsprächen. Sein Argument in aller Ausführlichkeit zu lesen lohnt (s.u. bei Weiterführende Literatur), doch zusammengefasst fordert er auf, das Tech-Konzerne ihr eigenes Verhalten überdenken müssten und andere Werte in der Gesellschaft vorherrschen müssten, damit wir KI anders bewerten. KI lernt von uns, alle Fehler und Ungleichheiten, die wir produzieren werden wir auch in die KI tragen. Hierzu hat auch die feministische Autorin Laurie Penny schon interessante Texte verfasst, die sich mit den in Sprache (dem Lernwerkzeug von KI) und Technologie verankerten Vorurteile und Privilegien beschäftigen. Ein schön plakatives Beispiel ist die rassistische AI, die entstanden ist, als ein Algorithmus ausschließlich mit Twitter gefüttert wurde.

Wie problematisch aber ethische Entscheidungen schon für uns Menschen sind, und wie viel komplexer diese Problematik wird, wenn wir sie etwa dazu nutzen, eine KI zu programmieren, zeigt das vom MIT entwickelte Programm „Moral Machine“. Hier kann man sich und seine eigenen moralischen Entscheidungen anhand von Beispielen testen, die zur Programmierung selbstfahrenden Autos („autonomous driving“) notwendig sind. Ein Blick auf die Seite lohnt.


Bildquelle: Moral Machine@MIT (http://moralmachine.mit.edu/hl/de)


I, Robot

Jede Lerneinheit nutzt als fiktionale Basis der Diskussion einen Science-Fiction-Film, den sich Lernende zum besseren Verständnis eigenständig anschauen können. Für das Thema „Zukunft des künstlichen Lebens“ empfehlen wir die Sichtung des Films:

I, Robot (US 2004, Regie: Alex Proyas)

Inhalt

Die Welt im Film ist eine Projektion unserer aktuellen Entwicklungen, in der Roboter als Dienstleister und Service-Kräfte viele unliebsame und repetitive Tätigkeiten des Menschen übernommen haben. Die Story des Films dreht sich um einen Mordfall, in dem ein neues Roboter-Modell verdächtigt wird, das vom AI-Entwickler mit der Fähigkeit zu Emotionen ausgestattet wurde. Zentral für die Diskussion hier ist aber nicht so sehr die Krimigeschichte als mehr die popkulturelle Imagination einer mit Robotern durchsetzten Gesellschaft und der Frage nach den Rechten von Robotern.

Fragen für die Diskussion:

  • Wie werden die Roboter in der Gesellschaft behandelt? Welchen Stellenwert haben Sie für die Menschen?
  • Was macht „Sonny“ so besonders?
  • Welche Probleme mit der Verbreitung der Roboter zeigt der Film auf?
  • Wer ist für die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Roboter zuständig? Wer sorgt für deren „Korrektheit“ und „Funktion“?

Weiterführende Literatur

Lizenz

Alle Inhalte sind lizensiert unter CC BY 3.0 DE, außer es wird explizit auf eine andere Lizenz oder Copyrights hingewiesen. Die in den Lehrvideos verwendeten Filmausschnitte etwa unterliegen den jeweiligen Copyrights der Produktionsfirmen und sind hier unter Verwendung des langen Bildzitats für die Nutzung in der Lehre verwendet.


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